|
Die
Rosenkreuzer-Weltanschauung
von
Max Heindel
SEITE
352
Blutmischung in der Ehe
Christus kam, um die Befreiung der Menschheit
von der Führung der trennenden Rassen und Familiengeister vorzubereiten
und die ganze menschliche Familie in einer universalen Bruderschaft zu
vereinigen.
Er lehrte, daß "Abrahams Same" sich
nur auf die Körper beziehe, und lenkte die Aufmerksamkeit auf die
Tatsache, daß, ehe Abraham lebte, das "Ich", das Ego bestand. Der
dreifache individuelle Geist hatte sein Dasein vor allen Stämmen
und Rassen und wird bleiben, wenn sie vergangen sind und selbst die Erinnerung
an sie nicht mehr besteht.
Der dreifache Geist (spirit) im Menschen,
das Ego, ist der innewohnende Gott, dem der persönliche körperliche
Mensch gehorchen lernen muß. Darum sagt Christus, daß, wer
sein Jünger sein wolle, alles verlassen müsse, was er besitze.
Seine Lehre weist auf die Befreiung des Gottes im Inneren. Er ruft den
Menschen auf, sein Vorrecht als Individuum auszuüben und sich über
Familie, Stamm und Nation zu erheben. Er soll Verwandtschaft und Heimat
nicht mißachten. Er muß alle Pflichten erfüllen. Er muß
jedoch aufhören, sich nur mit einem Teil der Menschheit zu identifizieren
und eine ebenbürtige Verwandtschaft mit der gesamten Welt anerkennen.
Das ist das Ideal, das der Menschheit von Christus gegeben wurde.
Unter der Herrschaft des Rassengeistes
wurde die Nation, der Stamm oder die Familie zuerst in Betracht gezogen,
dann
SEITE 353
erst das Individuum. Die Familie mußte vollständig
bleiben. Wenn ein Mann ohne Nachkommen zu hinterlassen starb, mußte
sein Bruder, um seinen Namen fortzusetzen, der Witwe "Samen bringen",
damit kein Aussterben erfolge (5. Mose 25,5-10). Eine Heirat außerhalb
der Familie erregte in der ersten Zeit Entsetzen. Ein Mitglied eines Stammes
konnte nicht mit einem anderen Stamm verbunden werden, ohne die Zugehörigkeit
zu seinem eigenen zu verlieren.
Es war nicht leicht, das Mitglied einer
andern Familie zu werden. Nicht nur bei den Juden, sondern auch in anderen
früheren Nationen war die Familie unantastbar. Sie ist es vielfach
auch noch heute. Wie erwähnt, hingen die Schotten bis vor kurzem
zäh an ihrer Sippe (1909), und die alten normannischen Wikinger wollten
niemand in ihre Familie aufnehmen, ohne mit ihm das Blut zu mischen, denn
die geistigen Wirkungen der Blutmischung, die der materiellen Wissenschaft
unbekannt sind, waren früher bekannt.
Alle diese Gewohnheiten entstanden aus
der Tätigkeit des Rassen- und Stammesgeistes im Blut. Ein Mitglied
aufzunehmen, in dem dieses gemeinsame Blut nicht floß, würde
Verwirrung der Kaste hervorgerufen haben. Die Inzucht vergrößerte
die Macht des Rassengeistes und verstärkte die Bande, die das Individuum
an den Stamm knüpfte, weil die Lebenskraft des Menschen in seinem
Blut liegt. Das Gedächtnis hängt innig mit dem Blut zusammen,
das der höchste Ausdruck des Lebensleibes ist.
Das Gehirn und das Nervensystem sind der
höchste Ausdruck des Empfindungsleibes. Sie rufen Bilder der Außenwelt
hervor, doch in der mentalen Vorstellung, in der Imagination, übermittelt
das Blut den Stoff für die Bilder. Darum fließt, wenn die Gedanken
tätig sind, das Blut in den Kopf.
Wenn derselbe unvermittelte Blutstrom durch
Generationen in einer Familie fließt, werden dieselben Vorstellungen,
die vom Urgroßvater, vom Großvater und vom Vater gebildet
SEITE 354
wurden, auch vom Sohn durch den Familiengeist, der im
Hämoglobin des Blutes lebt, gepflegt. Er sieht sich selbst als die
Fortsetzung einer langen Reihe von Vorfahren, die in ihm leben. Er sieht
alle Ereignisse des vergangenen Lebens der Familie, wie wenn er dabeigewesen
wäre, und wird sich seiner als Ego darum nicht bewußt. Er ist
nicht nur "David", sondern "der Sohn Abrahams", nicht "Josef", sondern
"der Sohn Davids".
Von Menschen, die Träger eines solchen
gemeinschaftlichen Blutes sind, sagt man, daß sie durch alle Generationen
gelebt haben, denn durch das Blut hatten ihre Nachkommen Zutritt zum Gedächtnis
der Natur, in dem der Bericht über die Ereignisse aus dem Leben ihrer
Vorfahren aufbewahrt wurde. Aus diesem Grund stellt das fünfte Kapitel
der Genesis fest, daß die Patriarchen durch Jahrhunderte lebten.
Adam, Methusalem und die anderen Patriarchen erreichten nicht persönlich
ein so hohes Alter, doch lebten sie im Bewußtsein ihrer Nachkommen,
welche das Leben ihrer Vorfahren sahen, wie wenn sie es selbst gelebt
hätten. Nach dem Ablauf dieser Periode dachten die Nachkommen von
sich nicht mehr als von Adam oder Methusalem. Das Gedächtnis dieser
Vorfahren verblaßte, und so hieß es, sie seien gestorben.
Die "zweite Sicht" der schottischen Hochlandbewohner
zeigt, daß das Bewußtsein der inneren Welt durch die Sippenheirat
bewahrt bleibt. Sie heirateten bis in die jüngste Zeit innerhalb
der Sippe, ebenso die Zigeuner, die immer innerhalb ihres Stammes heiraten.
Je kleiner der Stamm, je enger die Inzucht, desto deutlicher das "Hellsehen".
Die früheren Rassen hätten nicht
gewagt, den Anordnungen, die vom Gott des Stammes ausgingen, zu widerstreben
oder außerhalb des Stammes zu heiraten, sie hätten auch gar
keine Neigung dazu gehabt, dies zu tun, da sie keinen eigenen Intellekt
besaßen.
Die ursprünglichen Semiten waren die
ersten, die den Willen entwickelten, und sie heirateten sogleich die Frauen
SEITE 355
anderer Stämme. So durchkreuzten sie zeitweilig
die Absichten ihres Rassengeistes und wurden sofort als Übeltäter
ausgestoßen, da sie fremden Götzen dienten und sich somit als
ungeeignet erwiesen, den "Samen" für die sieben Rassen unserer gegenwärtigen
arischen Epoche zu geben. Die ursprünglichen Semiten waren in der
damaligen Zeit die letzte Rasse, um deren Absonderung sich der Rassengeist
bemühte.
Später erhielt der Mensch freien Willen.
Die Zeit war gekommen, in der er für die Individualisation vorbereitet
werden sollte. Das frühere allgemeine Bewußtsein, die unwillkürliche
Hellsichtigkeit oder das zweite Gesicht, vermittelte den Angehörigen
eines Stammes beständig das Lebensbild seiner Vorfahren. Das verursachte
in ihm das Gefühl der innigen Verbundenheit mit seiner Familie oder
seinem Stamm. Dieses sollte für eine bestimmte Zeit durch ein ausgeprägtes
individuelles Bewußtsein ersetzt werden, das auf die materielle
Welt beschränkt blieb. Und so sollten die Nationen in Individuen
aufgegliedert werden, um dadurch, ohne Unterschied äußerlicher
Umstände, die Bruderschaft der Menschen zu ermöglichen. Hier
wurde dasselbe Prinzip verfolgt, wie bei dem Wunsch, mehrere Gebäude
in ein einziges zu vereinigen. Sie müssen vorerst in einzelne Ziegel
zerlegt werden, bevor der Bau beginnen kann.
Um diese Trennung der Nationen in Individuen
zu erreichen, wurden Gesetze erlassen, die Sippen- oder Familienheiraten
verpönten. Nun wurden Heiraten unter Verwandten streng verurteilt.
So wurde in alle Familien der Erde fremdes Blut eingeführt, das nach
und nach die unwillkürliche Hellsichtigkeit verwischte, die durch
das Sippengefühl gefördert worden war, das die Menschheit in
Gruppen schied. Dem Patriotismus folgt der Altruismus, und als Folge der
Blutmischung schwindet das Gefühl der Familienzugehörigkeit.
Kürzlich entdeckte die Wissenschaft
(1909), daß bei einer Bluttransfusion zwischen zwei verschiedenartigen
Wesen der
SEITE 356
Tod des niederen der beiden durch Blutzersetzung verursacht
wird. So stirbt jedes Tier, dem man menschliches Blut zuführt. Das
Blut eines Hundes, das man in die Venen eines Vogels überträgt,
tötet den Vogel, der Hund jedoch wird durch die Einflößung
des Vogelblutes in seine Adern nicht verletzt. Die Wissenschaft stellt
hier nur eine Tatsache fest. Der Okkultist gibt auch den Grund dafür
an.
Wie schon an anderer Stelle gezeigt wurde,
ist das Blut das Arbeitsfeld für den Geist (spirit). Das Ego im Menschen
arbeitet in seinen eigenen Trägern durch die Wärme des Blutes.
Der Rassen-, Familien- oder Gemeinschaftsgeist hingegen gewinnt den Eintritt
in das Blut durch die Luft, die wir einatmen. In den Tieren befindet sich
der eigene Geist des Tieres sowie der Gruppengeist der Art, dem das Tier
angehört. Der Geist des Tieres jedoch ist nicht individualisiert
und arbeitet auch nicht selbstbewußt in seinen Trägern wie
das Ego; es wird daher vollständig vom Gruppengeist beherrscht, der
in seinem Blut arbeitet.
Wenn das Blut eines höheren Tieres
in die Adern einer niederen Art eingeflößt wird, ist der Geist
im Blut des höheren Tieres selbstverständlich stärker als
der des niederen Tieres. Wenn der Geist sich daher zu behaupten sucht,
tötet er die fesselnde Form und befreit sich. Wenn jedoch das Blut
einer niederen Art in die Adern einer höheren Art eingeflößt
wird, so ist der höhere Geist fähig, den weniger entwickelten
Geist im fremden Blut auszutreiben und das Blut seinem eigenen Gebrauch
anzupassen. Dann erfolgt keine sichtbare Katastrophe.
Der Gruppengeist ist immer darauf bedacht,
die Unantastbarkeit der unter seiner Aufsicht befindlichen Art zu erhalten.
Wie der menschliche Rassengott widersteht er der Heirat seiner Untertanen
mit anderen Arten und sucht die Sünden der Väter an den Kindern
heim, wie wir dies im Beispiel der Bastardtiere sehen. Wenn z.B. ein Pferd
und ein Esel ein Maultier erzeugen, so zerstört die Mischung des
fremden Blutes die Fortpflanzungsfähigkeit, damit sich die Kreuzung,
SEITE 357
die vom Standpunkt des Gruppengeistes verabscheuenswert
ist, nicht fortsetzen kann, denn das Maultier selbst steht nicht so fest
unter der Herrschaft des Gruppengeistes der Pferde oder des Gruppengeistes
der Esel, wie dies bei einer reinen Zucht der Fall wäre. Sie sind
jedoch auch nicht so weit von ihrer Herrschaft entfernt, um ihrem Einfluß
ganz entrückt zu sein.
Wenn zwei Maultiere sich fortpflanzen könnten,
so stünden ihre Nachkommen in einem noch geringeren Maß unter
dem Einfluß irgend eines dieser Gruppengeister, und so entstünde
eine neue Art OHNE EINEN GRUPPENGEIST.
Das wäre eine Anomalie in der Natur,
eine Unmöglichkeit, bevor sich nicht die Tiergeister ausreichend
entwickelt haben, um unabhängig zu sein. Eine solche Art wäre,
wenn sie hervorgebracht werden könnte, ohne den führenden Instinkt,
welcher in Wahrheit der Antrieb des Gruppengeistes ist, wie eine Schar
von Kücken, die vor der Geburt aus dem Ei genommen sind. Sie wären
hilflos und müßten umkommen.
Da es der Gruppengeist ist, der die verschiedenen
Tiere zur Verkörperung entsendet, hält er einfach das befruchtende
Keimatom zurück, wenn sie von weitentfernten Arten gekreuzt werden.
Er gestattet zwar einem seiner Pflegebefohlenen, wenn Tiere von ungefähr
derselben Natur gepaart wurden, die Gelegenheit zur Wiederverkörperung
zu ergreifen, verwehrt jedoch den Bastarden, sich fortzupflanzen. So sehen
wir, daß die Einführung fremden Blutes den Halt des Gruppengeistes
schwächt. Er zerstört daher überall dort, wo er die Macht
besitzt, die Form oder die Fortpflanzungsfähigkeit.
Der menschliche Geist ist individualisiert,
ist ein Ego und entwickelt freien Willen und Verantwortlichkeit. Das unwiderstehliche
Gesetz von Ursache und Wirkung führt es zur Geburt, so daß
es außerhalb des Einflusses des Rassen-, Gemeinschafts- oder des
Familiengeistes steht und von diesem im gegenwärtigen Zustand der
menschlichen Ent-
SEITE 358
wicklung von einer Inkarnation nicht zurückgehalten
werden kann. Durch die Beimischung fremden Blutes, durch Heirat unter
Menschen verschiedener Stämme oder Nationen, helfen die Führer
der Menschheit ihm, den Familien-, Stamm- oder Nationalgeist aus dem Blut
auszuscheiden. Damit schwindet natürlich auch die unwillkürliche
Hellsichtigkeit, die durch die Unvermischtheit des Blutes bedingt ist,
und durch die er an die Familientraditionen gebunden war. So sehen wir,
daß durch die Blutmischung auch beim Menschen eine Fähigkeit
zerstört wurde. Dieser Verlust jedoch war ein Gewinn, denn er hat
die Energie des Menschen auf die materielle Welt gerichtet und er kann
deren Lehren nun besser erfassen, als wenn er durch das Schauen der inneren
Welten abgelenkt wäre.
Als der Mensch befreit wurde, hörte
er nach und nach auf, von sich als "Abrahams Same", "Stewart-Clan-Mensch",
"Brahmane" oder einem "Leviten" zu denken; er lernt jetzt mehr von sich
selbst als von einem Individuum, einem "Ich" zu denken. Je mehr er dieses
"Selbst" pflegt, desto mehr befreit er sich vom Familien- und Rassengeist
in seinem Blut, und um so mehr wird er ein sich selbst genügender
Bürger dieser Welt.
Es werden viele närrische, ja sogar
gefährliche Reden über das Aufgeben des Selbst für das
Nicht-Selbst geführt. Nur wenn wir ein "Selbst" entwickelt haben,
können wir uns selbst opfern und es für das GANZE aufgeben.
Solange wir nur unsere eigene Familie und unser Volk lieben können,
sind wir unfähig, andere zu lieben. Wir werden durch die Fesseln
von Verwandtschaft und Vaterland gebunden. Wenn wir uns selbst erkennen,
die Fesseln des Blutes gesprengt und gelernt haben, uns selbst zu behaupten,
dann können wir selbstlose Helfer der Menschheit werden.
Wenn ein Mensch diesen Standpunkt erreicht
hat, wird er finden, daß er, statt seine Familie verloren zu haben,
alle Familien der Welt gewonnen hat, denn sie werden seine Brüder
und Schwestern, seine Väter und Mütter, um beizustehen und zu
helfen.
SEITE 359
Dann wird er den Blick für die inneren
Welten wiedergewinnen, den er durch die Blutmischung verlor. Dieses Schauen
jedoch wird eine höhere Fähigkeit, eine intelligente, willkürliche
Hellsichtigkeit sein, durch die er das sehen kann, was er will. Es ist
nicht mehr die negative Fähigkeit, die seinem Blut durch den Familiengeist
eingeprägt wurde und die ihn unter Ausschluß aller anderen
Familien an die Familie band. Sein Sehen wird allumfassend sein und dem
Wohl der Menschheit dienen.
Darum wurden Einheiraten in andere Stämme
und später internationale Heiraten nach und nach als erwünscht
angesehen und wurden so den Heiraten im Kreise der Verwandten vorgezogen.
Als der Mensch diese Stadien durchlief
und nach und nach die Fühlung mit den inneren Welten verlor, grämte
er sich über diesen Verlust und sehnte sich nach einer Rückkehr
der "inneren" Schau. Doch mit der Zeit vergaß er seine Herkunft,
und nach und nach spiegelte sich die materielle Welt als die einzige Wirklichkeit
sichtbar vor seinem Intellekt. Endlich verlor er die Idee des Bestehens
dieser inneren Welten ganz, so daß er nun einen Glauben an diese
für einen närrischen Aberglauben hält.
Die vier Ursachen dafür waren:
1.Die Klärung der nebeligen Atmosphäre
von Atlantis.
2.Der Einzug des Lebensleibes in den dichten
Körper, so daß ein Punkt an der Nasenwurzel mit einem ähnlichen
Punkt des Lebensleibes übereinstimmt.
3.Die Ausschaltung der Inzucht und deren
Ersatz durch Heiraten außerhalb der Familie und des Stammes.
4.Der Gebrauch von Betäubungsmitteln.
Noch lebt der Rassengeist im Menschen und
arbeitet mit ihm. Je fortgeschrittener jedoch die Nation ist, um so mehr
erhält der einzelne Mensch seine Freiheit. In Ländern, deren
Völker am stärksten gefesselt sind, ist der Rassengeist noch
am mächtigsten. Je mehr der Mensch mit dem Gesetz der Liebe harmoniert,
je höher seine Ideale sind, um so mehr
SEITE 360
befreit er sich vom Rassengeist. Patriotismus, der an
und für sich gut ist, ist eine Fessel des Rassengeistes. Das Ideal
der universellen Bruderschaft, die sich weder an Land noch Rasse bindet,
ist der einzige Weg, der zur Befreiung führt. Christus kam, um die
getrennten Rassen durch Bande des Friedens und guten Willens zu vereinigen,
worin alle willig und bewußt dem Gesetz der Liebe folgen.
Das gegenwärtige Christentum ist nicht
einmal ein Schatten der wahren Religion Christi. Diese wird in der Verborgenheit
bleiben, bis alles Rassengefühl überwunden worden ist. In der
sechsten Epoche wird es nur noch eine Weltbruderschaft unter der Führung
des wiedergekehrten Christus geben, doch kein Mensch weiß Tag und
Stunde dieses Geschehens, denn der Zeitpunkt dafür ist nicht festgesetzt.
Er hängt davon ab, wie viele Menschen begonnen haben, ein Leben der
Gemeinschaft und Liebe zu leben, welches das Kennzeichen des neuen Zeitalters
ist.
Der Fall des Menschen
In Verbindung mit der Analyse der Genesis
müssen noch ein paar Worte über "den Fall" hinzugefügt
werden, der das Rückgrat und die Stütze des populären Christentums
bildet. Hätte es keinen "Fall" gegeben, so hätte es auch keines
"Erlösungsplanes" bedurft.
Als in der Mitte der lemurischen Epoche
die Trennung des Geschlechtes erfolgte (wobei Jehova und seine Engel tätig
waren), begann das Ego allmählich am dichten Körper zu arbeiten
und darin Organe zu bauen. Damals war der Mensch noch nicht das vollwache,
bewußte Geschöpf, das er heute ist; er erbaute aber, wie früher
bereits beschrieben wurde, durch die Hälfte der Geschlechtskraft
ein Gehirn, um durch dessen Hilfe Gedanken ausdrücken zu können.
Er war in der geistigen Welt wacher als in der physischen Welt. Er konnte
seinen Körper kaum wahrnehmen und war sich des Zeugungsaktes nicht
bewußt. Die Feststellung der Bibel, daß der Mensch in Schlaf
versetzt wurde, um zu gebären, ist richtig.
SEITE 361
Mit der Geburt waren keine Beschwerden verbunden, und,
da er sich seiner physischen Umgebung kaum bewußt war (wegen seines
außerordentlich schwachen Bewußtseins bezüglich seiner
physischen Umgebung), wußte er auch nichts vom Verlust seines dichten
Körpers durch den Tod, oder von seinem Eintritt in einen neuen Körper
durch die Geburt.
Man wird sich daran erinnern, daß
die luziferischen Geister ein Teil der Menschheit der Mondperiode waren.
Sie sind die Nachzügler der Lebenswoge der Engel und sind zu weit
fortgeschritten, um eines dichten physischen Körpers zu bedürfen;
sie benötigten jedoch für den Erwerb von Erkenntnissen ein inneres
Organ. Außerdem konnten sie durch ein physisches Gehirn arbeiten,
was die Engel oder Jehova nicht konnten.
Diese Geister traten in das Rückgrat
und in das Gehirn des Menschen ein und sprachen zur Frau, deren Vorstellungskraft,
wie an anderer Stelle erklärt wurde, durch die Erziehung in der lemurischen
Rasse angeregt worden war. Da ihr Bewußtsein hauptsächlich
innerlich war, hatte sie von ihnen ein Bildbewußtsein und sah sie
als Schlangen, weil sie durch das schlangenartige Rückenmark in ihr
Gehirn eingetreten waren.
Das Training der Frauen beinhaltete auch
das Beobachten der gefährlichen Heldentaten und Kämpfe der Männer,
welche sie zur Entwicklung des Willens ausübten. In diesen Kämpfen
wurden die Körper notgedrungen oftmals getötet. Das schwache
Bewußtsein von etwas Ungewöhnlichem versetzte die Vorstellungskraft
der Frau in Tätigkeit, und sie wunderte sich, warum sie diese eigenartigen
Dinge sah. Sie war sich des lebendigen Geistes jener, die ihren Körper
verloren hatten, wohl bewußt. Da sie aber nicht fähig war,
die physische Welt vollkommen zu erfassen, gelang es ihr nicht, die Freunde
zu erkennen, deren dichte Körper zerstört worden waren.
Die luziferischen Geister lösten das
Problem, indem sie ihr die Augen öffneten. Sie offenbarten ihr ihren
eigenen Körper sowie den des Mannes und lehrten sie, wie sie den
Tod durch Erschaffung neuer Geschöpfe überwinden könnten.
So
SEITE 362
konnte der Tod sie nicht berühren, denn, wie Jehova,
konnten sie nach Belieben erschaffen.
Luzifer öffnete die Augen der Frau.
Sie suchte die Hilfe des Mannes und öffnete seine Augen. Deshalb,
wenn auch noch auf eine schwache Weise, "wußte" sie oder wurde eines
anderen und auch der physischen Welt gewahr. Sie wurden sich der Schmerzen
und des Todes bewußt. Auf diese Weise lernten sie den inneren Menschen
von dem äußerlichen Gewand, das er trägt, zu unterscheiden,
und daß er dieses Kleid in jener Häufigkeit wechselt, wie ein
neuer Schritt in der Entwicklung das erfordert. So hörten sie auf,
Automaten zu sein, und wurden auf Kosten der Freiheit von Schmerz, Krankheit
und Tod freidenkende Wesen.
Daß das Verspeisen einer Frucht,
als Symbol für den Zeugungsakt, kein weithergeholtes Bild ist, wird
durch die Feststellung Jehovas gezeigt (sie ist durchaus kein Fluch, sondern
einfach eine Feststellung der Folgen, die diese Handlung haben würde).
Er verkündete den Menschen, daß sie sterben, und daß
die Frauen ihre Kinder in Schmerzen gebären würden. Er wußte,
daß, nachdem die Aufmerksamkeit des Menschen auf seinen dichten
Körper gelenkt worden war, er sich auch seines Verlustes durch den
Tod bewußt werden würde. Er wußte auch, daß der
Mensch nicht weise genug war, um seine Leidenschaften zu zügeln und
den geschlechtlichen Verkehr durch die Stellung der Planeten zu regeln.
Er wußte, daß Schmerz beim Gebären die Folge eines unverständigen
Mißbrauchs der Geschlechtstätigkeit sein mußte.
Für die Bibelausleger war es immer
ein Rätsel, welche Verbindung wohl zwischen dem Essen einer Frucht
und dem Gebären von Kindern bestehen könne. Wenn wir aber verstehen,
daß das Essen der Frucht ein Symbol für den Zeugungsakt ist,
durch den der Mensch "gottähnlich" (like God) wird, da er seine Gattung
erkennt und dadurch fähig ist, neue Geschöpfe zu erzeugen, so
ist die Lösung einfach.
Im späteren Teil der lemurischen Epoche,
als sich der Mensch das Vorrecht anmaßte, den Zeugungsakt auszuführen
SEITE 363
wann immer er wollte, war es sein machtvoll gewordener
Wille, der es ihm ermöglichte, es zu tun. Durch das Essen der "Frucht
vom Baum der Erkenntnis" zu jeder beliebigen Zeit, war er fähig,
einen neuen Körper zu schaffen, wenn er seinen alten Träger
verlor.
Gewöhnlich denken wir vom Tod als
von etwas, das zu fürchten ist. Hätte der Mensch auch vom "Baum
des Lebens gegessen", hätte er gelernt, seinen Körper beständig
zu erneuern, so wäre ein schlimmerer Zustand die Folge gewesen. Wir
wissen, daß unsere heutigen Körper noch nicht vollkommen sind,
und in jenen Zeiten waren sie außerordentlich primitiv. Darum war
die Besorgnis der schöpferischen Hierarchien wohl begründet,
daß der Mensch auch vom Baum des Lebens essen könnte und so
fähig würde, seinen Lebensleib zu erneuern. Hätte er es
getan, so wäre er tatsächlich unsterblich geworden; jedoch hätte
er sich nicht weiterentwickeln können. Die Evolution des Ego hängt
von seinen Trägern ab. Wenn es durch Tod und Geburt nicht neue und
bessere erlangen könnte, so müßte ein Stillstand eintreten.
Es ist ein okkulter Grundsatz, daß, je öfter wir sterben, wir
um so besser leben. Jede neue Geburt gibt uns eine neue Möglichkeit.
Wir sahen, daß das Gehirnwissen mit
seiner Begleiterscheinung der Selbstsucht, vom Menschen auf Kosten der
Kraft, aus sich selbst und allein zu gebären, erlangt wurde. Er bezahlte
seinen freien Willen mit Schmerz und Tod. Wenn der Mensch aber lernt,
seinen Intellekt zum besten der Menschheit zu verwerten, wird er geistige
Macht über das Leben gewinnen und außerdem von einer inneren
Erkenntnis geleitet werden, die so weit über dem gegenwärtigen
Hirnbewußtsein steht, wie dieses dem niedersten Tierbewußtsein
überlegen ist.
Der Fall in die Zeugung war notwendig,
um das Gehirn zu erbauen. Das war aber bestenfalls nur ein indirekter
Weg zur Erlangung von Erkenntnissen. Diesem Zustand wird ein unmittelbares
Verstehen der Weisheit der Natur folgen. Dann wird der Mensch diese Weisheit
ohne Zusammenwirken mit einem anderen zur Erschaffung neuer Körper
verwenden können. Der Kehlkopf wird wieder "das verlorene Wort",
das
SEITE 364
"schöpferische Fiat" sprechen, das unter der Führung
von großen Lehrern im alten Lemurien zur Erschaffung von Pflanzen
und Tieren verwendet wurde.
Der Mensch wird in Wahrheit ein Schöpfer
werden. Nicht in der langsamen und mühevollen Art unserer Tage, doch
durch die Anwendung des rechten Wortes oder der magischen Formel wird
er fähig sein, einen Körper zu erschaffen. Alles, was sich während
der absteigenden Periode der Involution manifestierte, bleibt bestehen,
bis der entsprechende Punkt des aufsteigenden Bogens erreicht ist. Die
gegenwärtigen Zeugungsorgane werden degenerieren und absterben. Das
weibliche Organ existierte zuerst als unterscheidbares Körperteil
und nach dem Gesetz, daß die ersten die letzten sein werden, wird
es auch zuletzt verkümmern. Das männliche Organ wurde zuletzt
abgeteilt und beginnt schon jetzt, sich vom Körper zu sondern. Diagramm
13 wird das veranschaulichen.
SEITE 365
ABSCHNITT 3
Die zukünftige Entwicklung des Menschen und die Einweihung
SEITE 366
SEITE 367
XV. Christus und Seine Sendung
Die Entwicklung der Religion
Im vorhergehenden Teil dieses Werkes erfuhren
wir, wie die uns umgebende Außenwelt entstand, und wie der Mensch
den komplizierten Organismus entwickelte, durch welchen er mit der Außenwelt
in Verbindung steht. Wir haben auch in gewissem Maß die jüdische
Rassenreligion studiert. Nun wollen wir zunächst die letzte und größte
der göttlichen Maßnahmen zur Hebung der Menschheit betrachten,
das Christentum, welches die Weltreligion der Zukunft sein wird.
Es ist eine bemerkenswerte Tatsache, daß
der Mensch und seine Religionen sich in gleichem Grad Seite an Seite entwickelt
haben. Die früheste Religion einer Rasse wird man immer so wild wie
jenes Volk vorfinden, das durch sie beherrscht wird. Mit dem Fortschreiten
der Völker werden auch ihre Religionen menschlicher und stehen somit
in größerer Harmonie mit höheren Idealen.
Aus dieser Tatsache haben die Materialisten
den Schluß gezogen, daß keine Religion einen höheren
Ursprung als der Mensch selbst besitzt. Ihre Forschungen in der frühen
Geschichte haben zur Überzeugung geführt, daß der Mensch
seinem Fortschritt gemäß auch seinen Gott zivilisierte und
ihn nach seinem Ebenbild modernisierte.
Dieser Schluß ist unvollständig,
weil er nicht in Betracht zieht, daß der Mensch nicht der Körper,
sondern ein innewohnender Geist (spirit) ist, ein Ego, das entsprechend
dem Fortschritt der Evolution seinen Körper mit stetig zunehmender
Leichtigkeit benutzt.
Für den Körper gilt zweifelsohne
das Gesetz "vom Überleben der Tauglichsten". Das Gesetz der Evolution
des Geistes verlangt "Opfer". Solange der Mensch glaubt, daß
SEITE 368
"Macht Recht sei", gedeiht der Körper und wird
stark, weil alle Hindernisse ohne Rücksicht auf andere aus dem Weg
geschafft werden.
Wenn der Körper alles wäre, so
gäbe es nur eine Lebensmöglichkeit für den Menschen. Er
wäre völlig unfähig, Rücksicht auf andere zu nehmen.
Er würde mit Gewalt jedem Versuch widerstreben, sein Recht, das Recht
des Stärkeren zu schmälern, denn dieses Recht wäre das
einzig berechtigte vom Standpunkt des Gesetzes vom Überleben des
Tauglichsten. Er wäre vollkommen rücksichtslos gegen seine Mitmenschen,
vollkommen unempfindlich gegen jede von außen kommende Kraft, die
darauf abzielte, ihn irgendwie von seinen augenblicklichen Vergnügen
abzulenken.
Es ist daher offenkundig, daß das,
was den Menschen zu einer edleren Handlungsweise veranlaßt, aus
seinem Inneren quellen muß, und zwar aus einer Quelle, welche nicht
mit dem Körper identisch ist, denn sonst käme sie nicht in Widerstreit
mit körperlichen Gelüsten und würde nicht des öfteren
den Sieg über sie davontragen. Außerdem muß es eine stärkere
Kraft als die körperliche sein, sonst könnte sie die Begierden
nicht erfolgreich überwinden und würde den Menschen nicht veranlassen,
für jene Opfer zu bringen, die physisch schwächer sind als er.
Daß eine solche Kraft besteht, wird
sicher niemand leugnen. Wir sind auf einer Entwicklungsstufe angelangt,
auf der wir im physisch Schwächeren keine leichte Beute mehr sehen
und den Gebrechlichen schützen. Die Selbstsucht wird langsam aber
sicher durch den Altruismus ausgerottet.
Die Natur führt ihre Absichten zuverlässig
aus. Obschon langsam, ist der Vorgang geordnet und sicher. In der Brust
eines jeden Menschen arbeitet diese Kraft des Altruismus wie Sauerteig.
Sie wandelt den sogenannten Wilden zum zivilisierten Menschen und wird
ihn mit der Zeit in einen Gott verwandeln.
SEITE 369
Wenn auch rein Geistiges nicht voll mit
dem Verstand erfaßt werden kann, so kann man ihm doch mindestens
mit Hilfe eines Beispiels nahekommen.
Wenn eine von zwei Stimmgabeln mit gleicher
Schwingungszahl angeschlagen wird, so ruft der Klang in der anderen, vorerst
schwach, dieselben Schwingungen hervor. Hört man nicht damit auf,
die eine Stimmgabel anzuschlagen, wird die zweite stärker und stärker
ertönen und schließ- lich eine Klangstärke entwickeln,
welche der angeschlagenen gleichkommt. Das geschieht sogar, wenn die Gabeln
mehrere Fuß voneinander entfernt sind, und selbst dann, wenn eine
in ein Glas eingeschlossen wurde. Der Klang der angeschlagenen durchdringt
das Glas, und das eingeschlossene Instrument gibt den Widerhall.
Diese unsichtbaren Schallschwingungen haben
über die konkrete Materie große Gewalt. Sie können sowohl
aufbauen als auch zerstören. Wenn man eine geringe Menge von einem
sehr feinen Pulver oder Sand auf eine Metall- oder Glasplatte streut und
über die Ecke der Platte mit einem Geigenbogen streicht, so nimmt
das Pulver schöne, geometrische Formen an. Auch die menschliche Stimme
kann diese Figuren hervorrufen, und zwar immer dieselbe Figur für
denselben Ton.
Wenn auf einem Musikinstrument ein Ton
oder eine Saite angeschlagen wird (eine Violine eignet sich dazu besser
als ein Klavier, weil mehr Tonabstufungen erreicht werden können),
kann schließlich ein Ton erreicht werden, welcher im tieferen Teil
des Hinterkopfes des Hörers eine deutlich wahrnehmbare Schwingung
hervorrufen wird. Sooft derselbe Ton angeschlagen wird, wird die Schwingung
wieder empfunden werden. Dieser Ton ist der "Grundton" des Menschen, der
ihn berührt. Wenn er langsam und besänftigend angeschlagen wird,
baut er den Körper auf und regeneriert ihn, regt die Nerven an und
stellt die Gesundheit wieder her; wenn er andererseits übermäßig
stark angeschlagen wird, laut und anhaltend genug, so wird er so sicher
wie eine Pistolenkugel töten.
SEITE 370
Wenn wir nun das, was über die Musik
und den Klang gesagt wurde, auf das Problem dieser inneren Kraft anwenden
und betrachten, wie sie erweckt und gestärkt wird, können wir
die Sache vielleicht besser verstehen.
An erster Stelle wollen wir daran denken,
daß die zwei Stimmgabeln eine vollkommen gleiche Tonhöhe hatten.
Wäre das nicht der Fall gewesen, so hätten wir die eine bis
zum jüngsten Tag anschlagen können, und die andere wäre
stumm geblieben. Wollen wir uns das sorgfältig einprägen: Schwingungen
können in einer Stimmgabel nur durch eine andere gleichgestimmte
hervorgerufen werden. Jedes Ding oder jedes Wesen kann, wie oben festgestellt
wurde, nur durch seinen eigenen Grundton berührt werden.
Wir wissen, daß die Kraft des Altruismus
besteht. Wir wissen auch, daß sie unter unzivilisierten Völkern
weniger ausgesprochen zutage tritt, als unter fortgeschrittenen Menschen,
und daß sie unter den niedersten Rassen beinahe vollkommen fehlt.
Die logische Schlußfolgerung ist, daß es eine Zeit gab, in
der sie völlig fehlte. Und folgerichtig müssen wir fragen: Was
rief sie hervor?
Die materielle Persönlichkeit hatte
sicherlich nichts damit zu tun. Im Gegenteil, der persönliche Mensch
fühlte sich ohne sie am wohlsten. Der Mensch muß die Kraft
des Altruismus latent in sich gehabt haben, sonst hätte sie nicht
erweckt werden können. Noch mehr: sie muß durch eine Kraft
derselben Art erweckt worden sein, durch eine ähnliche Kraft, die
bereits in Tätigkeit war, so wie die zweite Stimmgabel in Schwingungen
versetzt wurde, nachdem die erste in Schwingung gebracht worden war.
Wir sahen auch, daß die Schwingungen
in der zweiten Stimmgabel unter den andauernden Klangeinwirkungen der
ersten Stimmgabel stärker und stärker wurden, und daß
das Glasgefäß kein Hindernis für die Induktion des Klanges
war. Unter der fortgesetzten Einwirkung einer Kraft ähnlich der,
wie sie im Menschen besteht, hat die Liebe Gottes zu ihm
SEITE 371
die Kraft des Altruismus erweckt und vermehrt unablässig
ihre Wirksamkeit.
Daher ist es vernunftgemäß und
logisch anzunehmen, daß es anfänglich nötig war, dem Menschen
eine Religion zu geben, die seiner Unwissenheit entsprach. In seinem anfänglichen
Zustand wäre es vergebens gewesen, ihm von einem Gott zu sprechen,
der ganz Mitgefühl und Liebe ist. Von seinem Gesichtspunkt aus wären
diese Attribute Schwächen gewesen, und man hätte vom Menschen
nicht erwarten können, daß er einem Gott gehorcht, der für
ihn verächtliche Eigenschaften besitzt. Der Gott, dem er gehorchte,
mußte ein starker Gott sein, ein Gott, den er fürchtete, ein
Gott, der den Donnerkeil schwingen und den Blitzstrahl zücken konnte.
So wurde der Mensch zuerst veranlaßt,
Gott zu fürchten, und erhielt Religionen, die sein geistiges Wohlbefinden
unter dem Druck der Furcht fördern sollten.
Der nächste Schritt mußte ihm
eine Art Selbstlosigkeit einflößen. Der Mensch wurde veranlaßt,
etwas von seinen weltlichen Gütern aufzugeben, zu opfern. Das wurde
dadurch erreicht, daß er den Stamm- oder Rassengott erhielt, der
ein eifersüchtiger Gott war. Er forderte den strengsten Gehorsam
sowie Opfer an Besitz, welcher vom aufstrebenden Menschen hoch geschätzt
wurde. Andererseits war dieser Rassengott ein Freund und mächtiger
Bundesgenosse. Er lenkte die Schlachten und gab ihm die Schafe, Ochsen
und Feldfrüchte, die er opferte, vielfältig zurück. Der
Mensch hatte noch nicht den Zustand erreicht, in dem er verstehen konnte,
daß alle Kreatur gleich ist, doch der Stammesgott lehrte ihn, daß
er mit den Brüdern seines Stammes barmherzig verfahren müsse,
und gab ihm Gesetze, die Gerechtigkeit und rechtliches Handeln zwischen
allen Rassenangehörigen forderten.
Man darf nicht annehmen, daß diese
Schritte leicht gemacht waren, oder daß sie nicht auf Widerstand
und Ungehorsam von Seiten des einfachen Menschen stießen. Selbstsucht
ist bis zu diesem Tag in der niederen Natur eingewur-
SEITE 372
zelt, und es werden wohl viele Unterlassungen und Rückfälle
vorgekommen sein. Das Alte Testament (the Jewish Bible) gibt uns gute
Beispiele, wie der Mensch Gottes Gebote vergaß und vom Stammesgott
geduldig und beharrlich immer und immer wieder "angestachelt" werden mußte.
Nur die Heimsuchungen eines geduldigen Rassengeistes waren damals mächtig
genug, ihn zum Gesetz zurückzubringen, zu dem Gesetz, dem zu gehorchen
bisher sehr wenige Menschen gelernt haben.
Trotz allem gibt es aber immer Pioniere,
die nach etwas Höherem verlangen. Wenn sie zahlreich genug sind,
wird ein neuer Schritt in der Evolution unternommen, so daß immer
verschiedene Entwicklungsstufen bestehen. Vor ungefähr 2000 Jahren
brach eine Zeit an, in der die Fortgeschrittensten der Menschheit eines
weiteren Schrittes bedurften und eine Religion empfangen konnten, die
verlangte, daß sie ein gutes Leben führen sollten, um dafür
in einem zukünftigen Dasein, an das sie glauben mußten, belohnt
zu werden.
Dies war ein langer und schwieriger Schritt,
der getan werden mußte. Es war verhältnismäßig leicht,
ein Schaf oder einen Ochsen in den Tempel zu bringen und sie zu opfern.
Wenn ein Mensch die Erstlinge seiner Ernte, seines Weinberges oder seiner
Herden darbrachte, so glaubte er, daß der Stammesgott seine Speicher
wieder füllen und ihm zur Belohnung mehr als er gab zurückerstatten
würde. Aber auf diesem neuen Weg ging es nicht darum, seine Güter
zu opfern, vielmehr wurde verlangt, sich selbst zu opfern. Das war nicht
gleichzustellen mit einer Opferung, dargebracht durch eine höchst
märtyrerhafte Tat. Auch das wäre noch verhältnismäßig
leicht gewesen.
Statt dessen wurde verlangt, daß
man Tag für Tag, vom Morgen bis zum Abend barmherzig gegen alle sein
müsse. Man müsse die Selbstsucht ablegen und seinen Nächsten
ebenso lieben, wie man gewöhnt war, sich selbst zu lieben. Außerdem
wurde nicht einmal eine unmittelbare und sichtbare Belohnung versprochen,
sondern man mußte an ein zukünftiges Glück glauben.
SEITE 373
Ist es verwunderlich, daß die Menschen
es schwer finden, dieses hohe Ideal unausgesetzten rechten Handelns zu
verwirklichen, das doppelt erschwert wird, weil das eigene Interesse vollständig
beiseite gelassen werden muß? Man verlangt Opfer und bietet keine
Versicherung irgend einer Belohnung. Gewiß spricht es sehr für
die Menschheit, daß solchem Altruismus immer nachgestrebt wird,
und daß er immer mehr zunimmt. Die weisen Führer, die wohl
wußten, wie schwach der Menschengeist im Kampf mit den selbstsüchtigen
Instinkten des Körpers war, und wie groß auch die Gefahr der
Verzweiflung angesichts solcher Verhaltensregeln war, gaben den Menschen
einen erhebenden Impuls. Sie flochten in die neue Religion die Lehre des
"stellvertretenden Sühneopfers" ein.
Von einigen sehr fortgeschrittenen Philosophen,
die sich allein auf das Gesetz der "Ursache und Wirkung" berufen, wird
diese Idee verächtlich abgewiesen. Sollte der Leser diesen Philosophen
zustimmen, so bitten wir ihn, die folgende Erklärung anzunehmen,
welche beweisen soll, daß beide Anschauungen sich in den Entwicklungsplan
einfügen. Es genügt, wenn gesagt wird, daß jetzt die Lehre
vom Sühneopfer vielen ernsten Seelen trotz wiederholter vergeblicher
Versuche, ihre niedere Natur zu unterwerfen, den Mut zum Kampf gibt.
Man erinnere sich, daß aus Gründen,
welche vorher erwähnt wurden, als vom Gesetz der Wiedergeburt und
der Ursache und Wirkung die Rede war, die westliche Mensch- heit praktisch
nichts von diesen Gesetzen wußte. Angesichts eines so hohen Ideals,
wie Christus es vorlebte, und im Wahn, daß sie nur ein paar Jahre
Zeit hätten, um einen so hohen Grad der Vollkommenheit wie diesen
zu erlangen, wäre es die größte Grausamkeit gewesen, sie
ohne Hilfe zu lassen. Darum wurde DAS GROSSE OPFER auf Golgatha, wenn
es auch anderen Zwecken diente, wie gezeigt werden wird, mit Recht die
Hoffnungsfackel für jede ernste Seele, die danach strebt, das Unmögliche
zu vollbringen: in einem kurzen Leben die Vollkommenheit zu erlangen,
welche von der christlichen Religion verlangt wird.
SEITE 374
Jesus und Christus-Jesus
Um etwas Einblick in das große Mysterium
von Golgatha zu gewinnen und die Mission Christi als des Begründers
der allgemeinen Weltreligion der Zukunft verstehen zu können, müssen
wir natürlich zuallererst mit seiner wahren Natur vertraut werden
und auch mit der wahren Natur Jehovas, der das Haupt der Rassenreligionen,
wie des Taoismus, des Buddhismus, des Hinduismus, Judaismus usw. ist.
Ebenso befassen wir uns auch mit der Identität "des Vaters", dem
Christus einst das Reich übergeben soll. Im christlichen Glaubensbekenntnis
finden wir folgenden Satz: "Jesus Christus, der eingeborene Sohn Gottes."
Dies wird gewöhnlich so verstanden, daß eine gewisse Person,
die vor ungefähr 2000 Jahren in Palästina erschien und von der
man als Jesus Christus spricht, ein bestimmtes Individuum, der eingeborene
Sohn Gottes war.
Das ist ein großer Fehler. In diesem
Satz sind drei gesonderte und grundverschiedene Wesen charakterisiert.
Es ist von großer Wichtigkeit, daß der Schüler die genaue
Natur dieser drei großen und erhabenen Wesen erkennt, die an Herrlichkeit
weit unterschieden sind, von denen aber jedes Anspruch auf unsere tiefste
und ergebenste Verehrung hat.
Der Schüler wird gebeten, sich Diagramm
6 anzusehen und darauf zu achten, daß "Der Eingeborene" (das "Wort",
von dem Johannes spricht) der zweite Aspekt des Höchsten Wesens ist.
Dieses "Wort", und nur dieses allein "ist
von seinem Vater (dem ersten Aspekt) vor allen Welten hervorgegangen".
"Ohne dasselbe ist nichts erschaffen, was erschaffen ist", auch nicht
der dritte Aspekt des Höchsten Wesens, der aus den beiden anderen
hervorging. Darum ist der "Eingeborene" das erhabene Wesen, welches über
allem im Universum steht, ausgenommen dem Kraft-Aspekt, der es schuf.
Der erste Aspekt des Höchsten Wesens
"denkt" oder stellt sich das Weltall vor, ehe die tätige Manifestation
beginnt.
SEITE 375
Alles, die Millionen Sonnensysteme und auch die großen
schöpferischen Hierarchien, welche die kosmischen Ebenen über
unserem Entwicklungsfeld, der 7. Ebene bewohnen, sind darin eingeschlossen
(siehe Diagramm 6). Dieser Aspekt ist auch die Kraft, die alles auflöst,
was sich jenseits der Möglichkeit weiteren Wachstums kristallisiert
hat und schließlich, wenn das Ende der tätigen Manifestation
gekommen ist, in sich alles, was ist, aufnimmt bis zur Dämmerung
einer anderen Manifestationsperiode.
Der zweite Aspekt des Höchsten Wesens
ist derjenige der Kräfte, die sich in der Materie als die Kräfte
der Anziehung und der Kohäsion (des Zusammenhalts) äußern,
gibt ihm so die Möglichkeit, Formen verschiedener Art zu bilden.
Das ist "das Wort", "das schöpferische Fiat", welches die kosmische
Urwurzelsubstanz in Formen verschiedenster Art in einer Weise modelliert,
die, wie vorher erwähnt, der Erzeugung von Figuren durch musikalische
Schwingungen ähnlich ist. Derselbe Ton bringt immer dieselbe Figur
hervor. So brachte, dieses große Ur-WORT in der feinsten Materie
all die verschiedenen Welten mit ihren Myriaden von Formen ins Dasein,
es "sprach" sie ins Leben. Seither sind sie von den unzählbaren schöpferischen
Hierarchien nachgeahmt und in allen Einzelheiten ausgebildet worden.
"Das Wort" jedoch hätte dies nicht
tun können, wenn nicht der dritte Aspekt des Höchsten Wesens
die kosmische Wurzelsubstanz zuerst vorbereitet, sie aus ihrem normalen
Zustand der Trägheit erweckt und die zahllosen ungetrennten Atome
in eine um ihre eigene Achse rotierende Bewegung versetzt hätte;
wenn er diese Achsen nicht in verschiedenen Winkeln gegeneinander gestellt
und jede eine besondere "Schwingungszahl" erhalten hätte.
Diese verschiedenen Neigungswinkel der
Achsen und die Schwingungszahlen befähigten die kosmische Wurzelsubstanz,
verschiedene Kombinationen zu formen, die Grundlage der sieben großen
kosmischen Ebenen sind. In jeder dieser Ebenen besteht eine andere Neigung
der Achsen und eine
SEITE 376
andere Schwingungszahl. Die Bedingungen und die Zusammensetzungen
sind daher in jeder Ebene verschiedene, was der Aktivität des "Eingeborenen"
zu verdanken ist.
Diagramm 14 zeigt uns, daß:
"Der Vater" der höchste Eingeweihte
der Menschheit der Saturnperiode ist. Die Durchschnittsmenschheit dieser
Periode sind jetzt die Herren des Intellekts.
"Der Sohn" (Christus) ist der höchste
Eingeweihte der Sonnenperiode. Die allgemeine Menschheit dieser Periode
sind jetzt die Erzengel.
"Der Heilige Geist" (Jehova) ist der höchste
Eingeweihte der Mondperiode. Die Durchschnittsmenschheit dieser Periode
sind jetzt die Engel.
Dieses Diagramm zeigt uns auch die Träger
dieser verschiedenen Arten von Wesen, und im Vergleich mit Diagramm 8
wird man ersehen können, daß ihre Körper oder Träger,
die im Diagramm 14 keilförmig angedeutet werden, den Globen der Periode
entsprechen, in der sie menschlich waren. Dies ist immer der Fall, soweit
die allgemeine Menschheit in Betracht kommt, denn am Ende jeder Periode,
in der irgendeine Lebenswoge als Menschheit individualisiert wird, behalten
diese Wesen solche Körper zurück, die jenen Globen entsprechen,
auf denen sie gewirkt haben.
Andererseits haben die Eingeweihten Fortschritte
gemacht, höhere Träger entwickelt und den Gebrauch eines niederen
Trägers aufgegeben, sobald die Fähigkeit einen neueren und feineren
zu gebrauchen, erworben wurde. Für gewöhnlich ist der niederste
Träger eines Erzengels der Empfindungsleib. Doch Christus, welcher
ja der höchste Eingeweihte der Sonnenperiode ist, benützt gewöhnlich
den Lebensgeist als niedersten Träger und wirkt damit ebenso bewußt
in der Welt des Lebensgeistes, wie wir dies in der physischen Welt tun.
Der Schüler wird aufgefordert, diesen Punkt besonders zu beachten,
da die Welt des Lebensgeistes die erste allumfassende Welt ist, wie im
Kapitel über die Welten erläutert wurde.
SEITE 377
SEITE 378
Sie ist die Welt, in welcher die Trennung
aufhört und die Einheit sich zu verwirklichen beginnt, soweit sie
unser Sonnensystem betrifft. Christus hat die Macht, einen Träger
zu erschaffen und darin tätig zu sein, der von der niederen Art ist,
wie der Empfindungsleib, welchen die Erzengel benützen. Tiefer jedoch
kann Er nicht mehr hinuntersteigen. Die Bedeutung dessen werden wir sogleich
sehen.
Jesus gehört unserer Menschheit an.
Wenn man den Menschen Jesus im Gedächtnis der Natur verfolgt, kann
man ihn Leben für Leben wiederfinden, in welchen er unter verschiedenen
Umständen, unter verschiedenen Namen, in verschiedenen Verkörperungen
und in dieser Beziehung gleich anderen menschlichen Wesen, lebte. Das
kann man bei Christus nicht tun. In Seinem Fall findet man nur eine Verkörperung.
Deshalb darf man jedoch nicht annehmen,
daß Jesus eine gewöhnliche Individualität gewesen sei.
Er war ein Charakter mit besonders reinem Intellekt (mind), welcher der
Mehrheit unserer gegenwärtigen Menschen bei weitem überlegen
war. Durch viele Leben hindurch hatte er den Pfad der Heiligkeit betreten
und sich so der größten Ehre als würdig erwiesen, welche
jemals einem menschlichen Wesen zuteil wurde.
Seine Mutter, die Jungfrau Maria, war auch
ein Charakter von größter menschlicher Reinheit und wurde daher
auserwählt, um die Mutter des Jesus zu werden. Sein Vater war ein
hoher Eingeweihter, rein und fähig, den Akt der Befruchtung als Sakrament
und ohne jede persönliche Begierde oder Leidenschaft auszuüben.
So wurde der schöne, reine, liebreiche
Geist, den wir als Jesus von Nazareth kennen, in einem reinen und leidenschaftslosen
Körper geboren. Dieser Körper war der beste, der auf Erden erzeugt
werden konnte, und die Aufgabe des Jesus in dieser Verkörperung war,
für ihn zu sorgen und ihn zur höchst möglichen Brauchbarkeit
zu entwickeln, ihn zu dem großen Zweck vorzubereiten, dem er dienen
sollte.
SEITE 379
Jesus von Nazareth wurde ungefähr
um die Zeit geboren, die in historischen Berichten festgestellt wird,
und nicht um 105 v. Chr., wie in einigen okkulten Werken behauptet wird.
Der Name Jesus ist im Osten gebräuchlich, und ein Eingeweihter namens
Jesus lebte 105 v. Chr. Aber dieser empfing die ägyptische Einweihung
und war nicht Jesus von Nazareth, mit dem wir uns hier befassen.
Das Individuum, welches später unter
dem Namen Christian Rosenkreuz geboren wurde und das auch heute verkörpert
ist, war schon hoch entwickelt, als Jesus von Nazareth geboren wurde.
Sein Zeugnis, sowie die Zeugnisse der Forschungen aus erster Hand durch
spätere Rosenkreuzer stimmen alle darin überein, daß die
Geburt des Jesus von Nazareth am Beginn der christlichen Ära und
ungefähr an dem historisch festgelegten Datum erfolgt ist.
Jesus wurde durch die Essener erzogen und
erreichte während der 30 Jahre, in denen Er seinen Körper gebrauchte,
ein sehr hohes Stadium an geistiger Entwicklung. Nebenbei sei bemerkt,
daß die Essener, eine dritte in Palästina lebende Religionsgemeinschaft
waren, außer den beiden, die das Neue Testament erwähnt, den
Pharisäern und den Sadduzäern.
Die Essener waren ein außerordentlich
frommer Orden. Sie unterschieden sich sehr wesentlich von den materialistischen
Sadduzäern und den heuchlerischen und die Öffentlichkeit suchenden
Pharisäern. Sie mieden jedes zur Schau tragen ihres Selbst sowie
der Methoden ihrer Studien und Anbetung. Darauf ist es auch zurückzuführen,
daß beinahe nichts von ihnen bekannt ist, und daß sie im Neuen
Testament auch nicht erwähnt werden.
Es ist ein Weltgesetz, daß kein Wesen,
und sei es noch so erhaben, in irgend einer Welt handeln kann, ohne einen
Träger, der aus der Materie dieser Welt aufgebaut ist, zu besitzen
(siehe Diagramm 8 und 14). Deshalb war der Empfindungsleib der niederste
Träger der Gruppe von
SEITE 380
Geistwesen, die in der Sonnenperiode den menschlichen
Zustand erreicht hatten.
Christus war einer dieser Geistwesen und
daher unfähig, sich selbst einen Lebensleib und einen dichten physischen
Körper zu erbauen. Er hätte an der Menschheit in einem Empfindungsleib
arbeiten können, wie dies seine jüngeren Brüder, die Erzengel,
als Rassengeister taten. Jehova hatte ihnen - damit sie in den dichten
Körper des Menschen gelangen konnten - einen Weg eröffnet, welcher
durch die eingeatmete Luft führte. Alle Rassenreligionen waren Gesetzesreligionen
und Erschaffer von Sünde infolge der Nichtbefolgung dieses Gesetzes.
Sie wurden von Jehova geleitet, dessen niederster Träger der menschliche
Geist ist. Dieser verband ihn mit der Welt der abstrakten Gedanken, in
der alles getrennt ist und daher zum Egoismus führte.
Das ist auch genau genommen der Grund,
der ein Eingreifen des Christus notwendig machte. Unter der Herrschaft
Jehovas ist Einheit unmöglich. Daher mußte Christus, der als
niedersten Träger den einigenden Lebensgeist besitzt, in den physischen,
menschlichen Körper eintreten. Er mußte als Mensch unter Menschen
erscheinen und in diesem Körper wohnen, weil jene die Menschen von
außen beeinflussende Rassenreligion nur von innen besiegt werden
kann.
Christus konnte in keinem dichten Körper
geboren werden, da er nie durch eine solche Evolution, wie die der Erdperiode,
hindurchgegangen war. Deswegen hätte er zuerst die Fähigkeit
erwerben müssen, einen dichten Körper zu erbauen, wie es unserer
ist. Doch selbst wenn er diese Fähigkeit besessen hätte, wäre
es für ein so erhabenes Wesen unangemessen gewesen, die zur Erbauung
eines physischen Körpers im vorgeburtlichen Leben, in der Kindheit
und in der Jugend nötige Energie auszugeben, zur Reife zu bringen
und zu gebrauchen. Gewöhnlich benutzte Er keine unserem menschlichen
Geist, dem Intellekt und dem Empfindungsleib entsprechenden Träger,
obwohl Er in der Sonnenperiode gelernt hatte, sie zu erbauen, und auch
die Fähigkeit, durch
SEITE 381
sie zu wirken, sobald dies erwünscht wurde oder
erforderlich war. Daher benützte Er seine eigenen Träger und
nahm nur den Lebensleib und den dichten Körper Jesu hinzu. Als dieser
30 Jahre alt war, trat Christus in diese Körper ein, um sie bis zum
Höhepunkt seiner Mission auf Golgatha zu benützen. Nach der
Zerstörung des dichten Körpers erschien Christus unter seinen
Jüngern im Lebensleib, in dem Er einige Zeit wirkte. Der Lebensleib
ist auch der Träger, den Er gebrauchen wird, wenn Er wieder erscheint,
denn Er wird niemals mehr einen anderen dichten Körper annehmen.
Es ist ein Vorgriff auf ein Gebiet, das
später behandelt werden soll, wenn bemerkt wird, daß alle esoterische
Erziehung den Zweck hat, so an dem Lebensleib zu arbeiten, daß der
Lebensgeist (life spirit) aufgebaut und belebt wird. Wenn wir später
zur Besprechung der Einweihung kommen, wird es möglich sein, mehr
über dieses Thema zu sagen, an dieser Stelle jedoch ist nichts weiter
hinzuzufügen. Als die Ereignisse, die mit dem nachtodlichen Zustand
verbunden sind, besprochen wurden, sind diese Fachgebiete teilweise erwähnt
worden. Der Schüler wird aufgefordert festzuhalten, daß er
seinen Empfindungsleib bereits in einem beträchtlichen Maß
beherrschen muß, ehe er sich um esoterische Fragen bemühen
kann.
Die esoterischen Übungen und die früheren
Einweihungen sind den Arbeiten am Lebensleib gewidmet und gipfeln im Aufbau
des Lebensgeistes. Zur Zeit, als Christus in den Körper Jesu eintrat,
war dieser ein Jünger hohen Grades, infolgedessen war sein Lebensgeist
gut organisiert. Daher war der niederste Träger, in dem Christus
wirkte, identisch mit dem bestorganisierten der höheren Träger
des Jesus. Und als Christus den Lebensleib und den dichten Körper
Jesu übernahm, war er dadurch mit einer vollständigen Kette
von Trägern ausgestattet, welche die Kluft zwischen der Welt des
Lebensgeistes und der dichten physischen Welt überbrückten.
Die Bedeutung der Tatsache, daß Jesus
verschiedene Einweihungen durchlaufen hatte, liegt in der Wirkung auf
den
SEITE 382
Lebensleib. Der Lebensleib Jesu war schon auf die hohen
Schwingungen des Lebensgeistes abgestimmt. Der Lebensleib eines Durchschnittsmenschen
wäre sofort unter den gewaltigen Schwingungen des großen Geistes
zusammengebrochen, der in den Körper Jesu eintrat. Selbst dieser
Körper, rein und hoch gestimmt wie er war, konnte diesen gewaltigen
Belastungen nicht für lange Jahre standhalten und wenn wir lesen,
daß Christus sich zeitweise von seinen Jüngern zurückzog,
- z.B. als er später auf dem See wandelte, um sie zu treffen - so
weiß der Okkultist, daß er sich aus den Trägern Jesu
zurückzog, um ihnen unter der Pflege der Essener-Brüder Ruhe
zu gönnen. Diese wußten besser als Christus, wie derartige
Träger zu behandeln waren.
Dieser Wechsel erfolgte im vollen und freien
Einverständnis mit Jesus, der während seines ganzen Lebens wußte,
daß er für Christus einen Träger vorbereitete. Er unterwarf
sich freudig, damit seine Brüder, die Menschheit, den gigantischen
Impuls zu ihrer Entwicklung empfangen konnten, der durch das mystische
Opfer auf Golgatha gegeben wurde.
So besaß (wie im Diagramm 14 gezeigt
wird), Christus-Jesus die zwölf Träger, die eine ununterbrochene
Kette von der physischen Welt bis zum Thron Gottes bildeten. Deshalb ist
er das einzige Wesen im Weltall, das in Verbindung sowohl mit Gott als
auch mit dem Menschen steht und zwischen beiden vermitteln kann, denn
Er durchlebte persönlich und individuell alle Zustände und kennt
alle Beschränkungen des physischen Daseins.
Christus ist einzigartig unter allen Wesen
der sieben Welten. Er allein besitzt zwölf Träger. Keiner außer
Ihm kann so mitfühlend sein oder so vollständig die Stellung
und Bedürfnisse der Menschheit empfinden. Nur Er allein ist befähigt,
uns die völlige Abhilfe in unseren Nöten zu bringen.
Nun kennen wir die Natur Christi. Er ist
der höchste Eingeweihte der Sonnenperiode, und Er bediente sich des
dichten
SEITE 383
Körpers und des Lebensleibes Jesu, damit Er in
der physischen Welt unmittelbar handeln und als Mensch unter Menschen
erscheinen konnte. Wäre Er in einer übernatürlichen Art
erschienen, so wäre dies dem Evolutionsplan entgegen gewesen, denn
gegen Ende der atlantischen Epoche erhielt die Menschheit die Freiheit,
gut oder böse zu handeln. Um es ihr zu ermöglichen, sich selbst
beherrschen zu lernen, durfte keinerlei Einschränkung angewandt werden.
Sie mußte gut und böse durch Erfahrung kennenlernen.
Vor dieser Zeit war sie willenlos geführt
worden. Von da an jedoch wurde den verschiedenen Rassenreligionen die
Freiheit gegeben, sich den besonderen Bedürfnissen der Stämme
oder Völker anzupassen.
[ Seite 383 - 412
]
|