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Transformationen von Raum und Zeit Raffiniert ist der Herrgott, aber boshaft ist
Er nicht. Die rigorose statistische Analyse großer Datenmengen wurde überhaupt erst mit der Entwicklung der Computer möglich. Dank dieses quantitativen Fortschritts gelang nicht nur die Überprüfung bislang nicht überprüfbarer Hypothesen. Er brachte auch eine qualitative Weitung der Einsichten mit sich. Prinzipien, die sich als lächerlich erweisen würden, wendete man sie auf kleine Größenordnungen an (und die deshalb nur denkbar waren), konnten sich, wenn man mit großen Quantitäten an sie heranging, als möglich und wichtig erweisen. So war es beispielsweise auch mit der Entdeckung neuer Arten von Mustern, die »chaotisch« genannt wurden. Obwohl sich von ihnen keine Regeln ableiten lassen und sie ziemlich »fuzzy« sind, lassen sich auch bei ihnen, große Zahlen vorausgesetzt, bestimmte Ordnungen entdecken. Visualisierungen großer Mengen von Untersuchungsdaten mit Hilfe des Computers zeigen dieses Phänomen in besonders auffälliger Weise -- das ist ein wenig so, als wenn man auf eine Million winziger Punkte blinzelt und dann erkennt, daß sie ein Porträt bilden --, und das hat zu ganz erstaunlichen Fortschritten geführt. So fallen beispielsweise die ersten sieben
Primzahlen unter kein spezielles Muster. Sie sehen vollkommen zufällig
aus. (Primzahlen sind bekanntlich solche Zahlen, die kein Produkt ganzer Zahlen
außer 1 und sich selbst sind. Auf diese Weise sind 2, 3, 5, 7...
Primzahlen, 6 aber nicht, weil es das Produkt von 2 x 3 ist.) Tatsächlich
war bisher noch niemand imstande, eine Formel zu erarbeiten, nach der sich
jede Primzahl ermitteln ließe. Und dennoch zeigen sich seltsame
Muster; wenn man sich nur einmal genug dieser Primzahlen ansieht. Eines der eigenartigsten ist
das folgende. Es illustriert nebenbei auch noch zwei andere Prinzipien, die
sich bei der Code-Forschung ergeben haben, aber von Doron Witztum und Eliyahu
Rips erst in den Anfängen erkannt wurden: erstens daß der »Raum«,
in den die Kodierungen eingebettet sind, grundsätzlich keine
lineare Kette von Text darstellt,
der nur der Einfachheit und Bequemlichkeit halber in verschieden lange Zeilen
unterteilt ist, sondern tatsächlich prinzipiell zweidimensional; zweitens
daß dieser Raum dehnbar ist und in ihm mögliche verschieden lange
Zeilen eine entscheidende Rolle bei der Formung des »Raumes« und
der Enthüllung der Kodierungen spielen Was nun die Primzahlen angeht, so ergibt sich die folgende Analogie. Betrachten wir zunächst die der Übersichtlichkeit hal ber in einem Zehn-zu-Zehn-Gitter untergebrachten Primzahlen bis 100: Ein paar mögliche Muster lassen sich erkennen,
einige davon sind kurios, andere trivial. Von den insgesamt 25 Zahlen
haben sich zum Beispiel 15 Paare in Zweierabständen gebildet (in der
Zahlentheorje »Zwillinge« genannt). Dieses Phänomen tritt
kontinuierlich auch weiter auf, so weit, wie bisher Primzahlen überhaupt
gezählt wurden. Doch niemand weiß, warum, und niemand kann voraussagen,
wo sie erscheinen (sie erscheinen oft, aber nicht irgendwie systematisch),
und niemand kann je beweisen, daß dies bei irgend einer unglaublich
hohen Zahl ein Ende nimmt. Dies setzt sich fort, egal, wie groß die
Zahlen sind, und ergibt, daß, je höher, desto mehr Primzahlen »passiert«
werden, die Faktoren für noch größere Zahlen sein können.
Folglich vergrößern sich die Abstände der Primzahlen immer
mehr - im Durchschnitt. 1 2 3 4 5 6 7 8910 Diese Transformation behält die lineare
Distanz zwischen den Zahlen bei, vergrößert aber doch (vereinfacht
ausgedrückt) jede Zeilenlänge und dreht diese dabei um 90 Grad durch
die zweite
Dabei taucht noch etwas - möglicherweise- Kurioses auf. Es scheint hier nun eine große Anzahl kontinuierlich diagonaler Ket ten zu geben. Ihre Menge reicht allerdings nicht aus, damit wir sicher sagen könnten, es ist kein Zufall. Wir können dies zwar hypothetisch annehmen, doch damit es überzeugend würde, müßten wir uns schon mehr Zahlen ansehen. Also hier nun die gleiche Spirale, aber mit den Primzahlen bis 1000 (952, genau gesagt): Die Tendenz, daß die Primzahlen diagonale
Ketten bilden, erscheint hier schon erheblich deutlicher zu sein, wenn wir
uns zurückbeugen und blinzeln (zwecks größerer Verdeutlichung
der "fuzziness"). Wenn es uns Spaß macht, können wir
versuchen, das Phänomen mathematisch zu quantifizieren, indem wir auszählen,
wie viele Primzahlen zu einer Diagonalkette gehören und wie viele nicht.
Was natürlich auch erfordern würde, daß wir festlegen, was
als »Kette« zu gelten habe: schon zwei? Erst drei? Zehn? Kein
Zweifel, je strenger die Kriterien dafür, desto mehr müßte
das Phänomen »sich selbst erklären«, um durchzugehen.
Indessen können wir intuitiv - das heißt visuell - ziemlich sicher
sein, daß es sich da tatsächlich um ein »Muster« handelt.
(Auch wenn wir ihr Vorhandensein nicht beweisen können: Unsere Gehirnkapazität
zur Entdeckung von Mustern ist ziemlich phänomenal.) Ob sich dies fortsetzen
wird, je höhere Werte die Zahlen annehmen, wissen wir noch nicht. (Genausowenig
wie wir wissen, warum es die »Zwillinge« gibt und ob sie irgendwann
aufhören.) Aber es wäre, allein auf der Basis unseres Beispiels
oben mit den Zahlen bis 1000, gar nicht unlogisch anzunehmen, daß das
Phänomen sich fortsetzt, wir also die Probe aufs Exempel machten und
das Ergebnis, wenn irgend möglich, statistisch auswerteten und damit
feststellten, wie groß die Chance ist zu entdecken, alles sei einfach
nur Zufall. Die Spirale bis hinauf zu 40 000: Und hier alle Primzahlen von 1 bis 160000: Wenn wir ganz genau hinsehen, entdecken wir weitere
Seltsamkeiten. So unpräzise und »fuzzy« sie auch sein mögen,
gleichwohl gibt es hier diagonale Ketten (in beiden Richtungen), die allem
Anschein nach ziemlich gleichmäßige Abstände einhalten, wenn
auch nicht ganz perfekt. Schauen wir noch genauer hin, so sehen wir weiter;
daß »dieselben« Ketten, die irgendwo ganz unvorhersehbar
abbrechen, sich etwas später wieder fortsetzen. Außerdem gibt es
vertikale und horizontale Ketten und darunter eine speziell scharfe, die das
»tote« Zentrum a »+« bildet. Und noch schwieriger
zu entdecken, noch »fuzzier«, aber offensichtlich vorhanden
sind Linien, die +- 20 Grad zur Horizontalen verlaufen. Weiter gibt es Bereiche,
die Teilkreise, und andere, die kleine, dichte Bündelungen bilden. Daß
dies alles sichtbar wird, erfordert eben, um es zu entdecken, eine sehr viel
größere Menge Primzahlen als
zuvor. Und vergessen wir nicht: Alle diese Muster erscheinen erst in der zweidimensionalen
Darstellung, wobei »nahe« Teile desselben Musters sich aus
Primzahlen bilden, die in der linearen Folge weit voneinander entfernt sind.
(Man stelle sich nur einmal vor; wie schwierig es wäre, ein zweidimensionales
Teppichmuster zu erstellen, wenn man die verschiedenen Farbpunkte als Sequenz
auf einem einzigen Gamfaden anzeichnen müßte! Auch Teppichmuster
sind nur möglich, weil der Gestalter die [Faden-] Kette als zweidimensionale
Einheit »sieht«.) Die folgenden Punkte, die in der einfachen Ulam-Spirale
nicht sichtbar wurden (oder sich bestenfalls erahnen ließen), stellen
sich hier heraus:
Eine weitere Transformation bringt die Diagonalsymmetrien noch deutlicher zum Vorschein, indem sie die anderen zurückdrängt. Sie bestätigt auch das Vorhandensein radialer Symmetrien in Winkelgraden, die nicht horizontal, vertikal oder diagonal stehen: Das Vorhandensein einer zweidimensionalen Ordnung impliziert, daß da etwas an der Ortsplazierung der Primzahlen geordnet sein muß, der eindimensionalen Sequenz realer Zahlen folgend. Viele Jahre lang galt, daß die Abstände der Primzahlen reiner Zufall waren, weil keine lineare Ordnung zu entdecken war. In jüngster Zeit indessen zeigte ein Physiker; der Ähnliches bei den Abständen von Energiequanten in großen Atomen herausfand, eine darunterliegende Ordnung der Abstände zweiten und dritten Grades auf (Abstände der Abstände, Abstände der Abstände der Abstände). Zusammengefaßt: Die Quantifizierungsebenen von Energie und die Verteilung der Primzahlen folgen aus mysteriösen Gründen den gleichen Regeln, und beide in »chaotischen« Anordnungen Etwa um die Zeit, da Eliyahu Rips in die kniffligeren
Bereiche der Thora-Dekodierung vorstieß, vollendete Witztum seine Dissertation
über die allgemeine Relativität und wandte seine Aufmerksamkeit
den Kodierungen zu. Wie vor ihm auch schon andere Wissenschaftler besaß
er die erforderlichen kritischen Fähigkeiten zu sehen, daß da etwas
ganz Außergewöhnliches sein könnte. In Fortsetzung der bisherigen
Arbeiten, führte er nun die Untersuchungen auf eine noch differenziertere
und komplexere Höhe. Er behandelte den Text der Thora nicht einfach als
kryptographische Buchstabenkette, sondern als eine inhärent zweidimensionale
Struktur; deren »Achsen« (vertikale Messung = Anzahl der Reihen,
horizontale Messung = Zeilenlänge) zueinander konvertibel waren. In der
Physik besteht jede Messung aus den dreiräumlichen Ausdehnungen und der
zeitlichen Dauer. Aber wenn man das »Bezugssystem« ändert
(das heißt die eigene Geschwindigkeit erhöht), dann schwindet die
räumliche Ausdehnung (in der Reiserichtung) ein wenig, und die temporäre
Dauer wächst in derselben Relation. (Stellen wir uns einen Pappkarton
vor; der langsam zusammengedrückt wird: Mit abnehmender Höhe nimmt
seine Breite zu, und bei der Raumverringerung vergeht Zeit.) |
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