HAUNEBU - FLUGKREISEL

1. Diverse Wiedersprüche
2. aus heutiger Sicht wahrscheinlich Technische Probleme
3. Provisorische Baubeschreibung des Schrieverschen Flugkreisels
4. Quellen-Nachweis

Als die Alliierten nach Beendigung des zweiten Weltkrieges die von ihnen erbeuteten, umfangreichen Unterlagen über deutsche Geheimwaffen gesichtet und teilweise veröffentlicht hatten, erschienen ab 1950 in der Presse laufend Meldungen über sogenannte "fliegende Untertassen" oder auch "Flugscheiben", die von den Deutschen während des Krieges entwickelt und erprobt worden sein sollten. Das Interesse an diesen ungewöhnlichen Fluggeraeten war nach dem Krieg, in einer Zeit, in der man sich in Deutschland endlich Klarheit ueber die geheimnisvollen V-Waffen verschaffen wollte, nur zu verständlich. Und diese Wissbegier wurde im Falle der Flugkreisel natürlich noch dadurch verstärkt, daß um etwa die gleiche Zeit eine Welle von Meldungen über "Foo Fighters" und "UFOs" anlief, denen allerdings ein ganz anderer Ursprung nachgesagt wurde.

Bei den deutschen Flugkreiseln sollte es sich um Fluggeräte handeln, die durch ein um einen zentralen, nicht mitdrehenden Rumpf umlaufendes Rotor- oder Scheibensystem in der Lage sein sollten, sowohl senkrecht zu starten und zu landen als auch mit ungewöhnlich hoher Geschwindigkeit horizontal oder schräg in jeder beliebigen Richtung zu fliegen - womit ein solches Gerät für militärische Einsatzzwecke natürlich hochinteressant sein mußte.

In den ab 1950 veroeffentlichten Berichten wurden im wesentlichen zwei verschiedene Modelle solcher Flugscheiben sowie eine als V 7 bezeichnete Flak-Mine erwähnt. Einer dieser Flugkreisel sollte von einem Flugkapitaen Schriever, der andere von einem Dr.-Ing. Miethe entworfen und gebaut worden sein. Beiden Flugkreiseln wurden fantastische Flugleistungen nachgesagt.

Nach diesen Berichten wurde die Idee zu dem Schrieverschen Flugkreisel im Fruehjahr 1941 geboren, ein Modell - vermutlich dem bekannten Kinderspielzeug nachempfunden - im Juni 1942 geflogen und damit, nach Schrievers Ansicht, die Richtigkeit seiner Überlegungen bestätigt.
Im August 1943 soll der Erfinder mit drei Vertrauten auf einem BMW-Platz bei Prag eine Großausführung seines neuen Fluggerätes gebaut und das ursprünglich mit Luftschrauben ausgerüstete Gerät im Sommer 1944 auf Strahltriebwerke umgerüstet haben.
Im April 1945 war die fliegende Untertasse angeblich zur Erprobung fertig, konnte aber vor Kriegsende (8.Mai 1945, 24 Uhr) nur noch einen Probelauf, keinen Erstflug, durchführen und musste am 9. Mai 1945 gesprengt werden, wonach sich sein Erbauer samt Unterlagen nach Westen absetzte.

Wiedersprüche:
Rolf Schriever ist in den 50er Jahren verstorben. Einige Quellen behaupten, auf ziemlich mysteriöse Weise. Hierbei verschwanden Orginalunterlagen. In seinem Nachlass fanden sich neben einer undatierten, von dem Erfinder offenbar nach dem Krieg verfaßten provisorischen Baubeschreibung nebst rohen Skizzen seines Fluggerätes mehrere einschlägige Zeitungsauschnitte (siehe Quellennachweis, Pos.2-9, 12-14, 16).
Die ersten dieser Notizen datieren vom 30.3. und 2.4.1950. Rudolf Augsteins flinke Reporter, sonst der Konkurrenz sehr oft um mehrere Nasenlängen voraus, konnten in diesem Fall die sensationelle Nachricht über Schrievers Flugkreisel nur ganze drei Tage vor dem offensichtlich aus der gleichen Quelle schöpfenden Wochenblatt "Heim & Welt" herausbringen. Diese beiden Veröffentlichungen mit ihrem im wesentlichen übereinstimmenden Inhalt könnten als Unterlage für ähnliche Berichte dieser Art gedient haben, die sich jedoch in manchen Punkten, zum Teil sogar erheblich, von den beiden Erstveröffentlichungen unterschieden.

Bei kritischer Durchsicht des vorliegenden Materials stellt man schnell eine Vielzahl offensichtlicher Unstimmigkeiten fest. So entstand nach einer Quelle die Idee zu Schrievers Untertasse im Jahre 1942, nach diversen anderen dagegen schon 1941, während eine weitere ein ganz präzises Datum nennt: den 15.7.1941.

Nach einer Aussage flog Schrievers Modell am 1.6.1942, nach einer anderen dagegen 2 Tage später. Das Datum des Baubeginns der eigentlichen Maschine ist ähnlich unklar: einmal wird 1943, ein anderes Mal dagegen 1944 erwähnt.

Noch spannender wird's beim Datum der Fertigstellung: während ein angeblicher Augenzeuge, ein Obering. Klein, behauptet, daß er den Erstflug des Schrieverschen Geräts am 14.2.1945 gesehen habe, gibt der Erbauer Schriever an, daß der Vogel erst im April 1945 zur Erprobung bereitstand, nicht geflogen habe, sondern vor dem Erstflug zerstört worden sei.

Die Aussage des "Augenzeugen" Klein gewinnt nicht an Glaubwürdigkeit, wenn man erfährt, dass eine im Kriegstagebuch der 8. Luftflotte als Anlage noch vorhandene Wettermeldung vom 14.2.1945 für den in Betracht kommenden Raum eine sehr niedrige Wolkendecke, Regen, Schnee und schlechte Sicht verzeichnet. Das sind Witterungsbedingungen, bei denen man ein so revolutionäres Fluggerät ganz bestimmt nicht zum Erstflug starten läßt. Bei einer in 400- 800 m Höhe beginnenden, 8/10-10/10 geschlossenen Wolkendecke wäre es kurz nach dem Start außer Sicht geraten.... .

Aber die Unstimmigkeiten gehen noch weiter. Nach einer Quelle wurde als Transportmittel bei der Flucht ein Flugzeug, nach anderer Lesart ein Auto benutzt. In einem Falle war das Flugziel München und die Firma Dornier, im anderen der Bayrische Wald, im dritten noch präziser der Ort Regen.

Auch wann und wo Schrievers Unterlagen abhanden kamen, wird ganz unterschiedlich geschildert. Während dies z.B. laut "Spiegel" am 4.8.1945 in Bremerhaven geschah, passierte der Diebstahl nach anderen Quellen bereits am 14.5.1945, also wenige Tage nach dem Absetzen aus Prag, nach anderer Lesart dagegen erst Wochen später.

Aus heutiger Sicht wahrscheinliche Technische Probleme:
Bei den angegebenen 1800 U/min würden ganz gewaltige Zentripetalbeschleunigungen auftreten, die man in dieser Größenordnung (26200 g) sonst nur in der Waffentechnik und dort auch nur bei kleinkalibrigen Geschossen erlebt. Bei einem Triebwerksgewicht von 560 kg (Strahltriebwerk-BMW 003) müßten zur Aufhängung der Turbine massive Bolzen aus hochfestem Stahl verwendet werden, die, gleichmäßige Kraftverteilung vorausgesetzt, bei einer Zweipunktbefestigung jeweils 142 mm, bei einer Dreipunktbefestigung immerhin noch jeweils 116 mm Durchmesser hätten haben müssen. Dabei hätte diese enorm schwer ausfallende Aufhängung nur für das nicht in Betrieb befindliche Strahltriebwerk ausgereicht, nicht für das laufende ! Bei letzerem würden Kippmomente in der Größenordnung von 110 000 mkp auftreten.
Die von Schriever konzipierte Untertasse war, jedenfalls in der vorgesehenen Konfiguration (Strahltriebwerke) so nicht einfach zu realisieren. Das vorgesehene Gewicht dürfte als ´problematisch´ angesehen werden.

Zu jener Zeit waren Werkstoffe und Triebwerke außerdem Mangelware, die man nur sehr schwer hätte beschaffen können. Das war nur bei entsprechender Dringlichkeit und mit Erlaubnis "von ganz oben" möglich. Das wäre dann aber wahrscheinlich irgendwie aktenkundig geworden.

Trotz aller Kriegswirren sind die Unterlagen von Speers Ministerium vollständig erhalten geblieben, ebenso wie die stenografisch aufgenommenen sogenannten Milch-Gespräche und die peinlichst genauen Angaben über Rohstoffverteilung, Personaleinsatz, Projektfortführungen usw. enthaltenden Kriegstagebücher der verschiedenen Rüstungskommandos. Merkwürdigerweise enthält *keine* dieser Dokumentensammlungen, von denen die Milch-Besprechungen über 40 000 Seiten umfassen und das KTB des RK VIII den Zeitraum vom 15.8.1939 - 31.12 1944 lückenlos abdeckt, auch nur den geringsten Hinweis auf den Schrieverschen Flugkreisel, die Miethesche Flugscheibe oder die Flakmine V 7.

Sollte es sie trotzdem gegeben haben, so nicht "offiziell" , d.h. entweder das Material wurde "abgezweigt" und falsch verbucht (aus Geheimhaltungs gründen ??), oder es gab eine eigene Planungs- u. Fertigungsebene die nicht in die offiziellen Akten erschien. Möglich wären auch noch Arbeiten einer besonderen Einheit, die es offiziell nicht gab (auch heute in einigen Staaten wie der UDSSR und den USA üblich) und dessen Arbeiten nach Kriegsende als Super-Geheim verschleiert wurden. Das heißt, das alle Spuren aus Geheimhaltungsgründen beseitigt wurden.

Provisorische Baubeschreibung des Schrieverschen Flugkreisels:
(Zusammengestellt anhand eines Manuskriptes des Erfinders)
Der Rumpf besteht im wesentlichen aus einer linsenfoermig abgeplatteten Kabinenkugel, die in der Mitte einer Flügelblattscheibe angeordnet ist und aus einer oberen und unteren Hälfte besteht. In dem oberen Teil befindet sich der Kommandostand für eine mehrköpfige Besatzung, ausgerüstet mit Bedienungs-, Navigations- und Triebwerksüberwachungsgeräten und -instrumenten, sowie die Steuerorgane.
Am bzw. im unteren Teil, das gegenüber dem oberen um 360 Grad drehbar ist, sind zwei Strahltriebwerke nebst Tanks angeordnet. Federnde, unterhalb der Triebwerke angeordnete Bauteile ersetzen das sonst übliche Radfahrwerk.
In Höhe des Schwerpunktes des Gesamtsystems befindet sich an der Kabine ein ringförmiger Ansatz, in dem auf besonderen Lagern eine Schaufelblattscheibe läuft. Die Blattspitzen der 21 Schaufeln sind von einem Ring umschlossen, der nicht nur zur Stabilisierung, sondern auch zur Verminderung des induzierten Widerstandes dient.
Drei unterhalb der Flügelblattscheibe angeordnete Strahltriebwerke dienen zum Antrieb der Scheibe. Die Triebwerke sind an sogenannten Trägerplatten aufgehängt, die gleichzeitig als Kraftstoffbehälter dienen.
Fuer Start, Landung und Senkrechtflug wird die Blattscheibe auf 1650-1800 U/min gebracht; bei 3t Fluggewicht steigt das Gerät senkrecht mit ca. 100 m/sec. Für den Reiseflug wird die Drehzahl auf 500 U/min gedrosselt, die Steigung der Schaufeln so verändert, daß weder Auf- noch Abtrieb vorhanden ist und die beiden Triebwerke in der unteren Rumpfhälfte werden in Gang gesetzt.Im Horizontalflug erreicht das Geraet 4200 km/h. Bei Schrägstart werden alle fünf Triebwerke gleichzeitig eingesetzt. Die Steuerung um die Hochachse erfolgt durch Drehen der unteren Rumpfhälfte gegenüber der oberen.

Die Angaben sind nur als ´gestellte Aufgabe´ anzusehen. Inwieweit sie erreicht werden konnten ist völlig unklar. Höchstwahrscheinlich, so ist es jedenfalls bei technischen Neuentwicklungen, die Ihrer Zeit voraus sind, ergaben sich beim Bau anfangs unlösbar scheinende Probleme. Sie werden dann durch Umkonstrukurierung, Verwendung anderer Werkstoffe oder Entwicklung solcher und geeigneter Geräte gelöst. So war es bei der Entwicklung der U-Boote, des Flugzeugs und auch der Interkontinentalrakete oder Weltraumrakete.

Quellen-Nachweis:

  1. Schriever, Ing. Rudolf, Beschreibung "Projekt-Flugkreisel" und Zeichnungen des Erfinders, ohne Datum, in der Bremerhavener Zeit entstanden
  2. "Untertassen-Flieger-Kombination", Der Spiegel, 30. Maerz 1950
  3. "Flugkreisel, irdisch", Heim & Welt, Nr. 14, 2. April 1950
  4. Sautier, G., Dipl.-Ing. "Luftwaffe plante Scheiben-Flugzeuge", Quelle unbekannt, ohne Datumangabe
  5. "Fliegende Untertassen-eine deutsche Erfindung", Autorenpseudonym "Criticus", Die 7 tage, 5. Jahrgang, Nr. 26, Freitag, 27. Juni 1952
  6. Meyer, G. H. "Die deutsche "Fliegende Untertasse"", Das Ufer-die Farb- Illustrierte, Nr. 18, 1. September 1952, (Fliegende Untertasse = Deutscher Flugkreisel ?)
  7. Keller, Dr. Werner "Erste "Flugscheibe" flog 1945 in Prag" -enthüllt Speers Beauftragter, Interview mit Oberingenieur Georg Klein, Welt am Sonntag, 25.4.1953
  8. "Fliegende Untertassen in Deutschland erfunden", Sonderbericht der "Deutsche Illustrierte", S. 1350/51, ohne Datum
  9. "Das gab's-die fliegende Untertasse der deutschen Luftwaffe" ZB, Illustrierte fuer Menschen im Atomzeitalter, vermutlich Nr. 25, Dezember 1953 (?)
  10. Sievers, Edgar "Flying Saucer über Südafrika-zur Frage der Besuche aus dem Weltraum", Sagittarius-Verlag, Pretoria 1955
  11. Lusar, Rudolf "Die deutschen Waffen und Geheimwaffen des 2. Weltkrieges und ihre Weiterentwicklung, J.F. Lehmanns Verlag, Muenchen, 4. Auflage, 1962, S. 189/91 (gleicher Text in 1. Auflage, 1956)
  12. "Wunderwaffen 1945"-erst heute lüftet sich der Schleier, Bild am Sonntag, 17. Februar 1957, S. 19
  13. "Die UFOs-eine deutsche Erfindung", Das neue Zeitalter, 9.Jahrg., Nr.41, 5. Okt. 1957, S. 4
  14. Lusar, Rudolf "Fliegende Untertassen, eine deutsche Erfindung-von Deutschen erprobt-in West und ost weiterentwickelt.", Das neue Zeitalter, Nr.9, 1958, S. 3
  15. Bericht über russische Weiterentwicklung der "Flakmine V 7", unbekannte englischsprachige Quelle, kein Datum
  16. "Deutsche UFOs schon 1947/48 einwandfrei beobachtet", Das neue Zeitalter, 17. Jahrgang, Nr. 6, 6. Februar 1965
  17. Hahn, Fritz, Schreiben an den Verfasser vom 12. und 14.12. 1974
  18. Zeugenaussagen von angeblich Beteiligten (leben nicht mehr)
  19. Quelle ´´Zisch, Werner´´